Datenarchitektur 25. August 2026

Was zusammen gültig ist, muss zusammen ankommen.

Serie: Die zweite Ausleitung

Stammdaten jenseits der Marktkommunikation. Was passiert, wenn Stammdaten das System an einer zweiten Stelle verlassen, die nicht Marktkommunikation ist?

Dieser Beitrag gehört zur Serie und ist ohne die übrigen Teile lesbar; die Serie erscheint fortlaufend.

Ob sich ein strittiger Stand im Zielsystem später erklären lässt, entscheidet sich beim Bau der Lieferung und nicht bei der Klärung. Dort fallen zwei Festlegungen, was eine Lieferung zusammen enthalten muss und woran sie erkennt, dass sich etwas geändert hat, und fehlen sie, wird jede Abweichung im Zielsystem zur Suche. Erklären muss den Stand am Ende, wer dem Fachbereich gegenübersitzt und später einer Prüfung, und das ist nicht die Stelle, die die Lieferung gebaut hat. Der Unterschied liegt allein im Zeitpunkt: vor der ersten Lieferung ist das eine Frage im Entwurf, danach ein Umbau an einer laufenden Strecke, der noch einmal durch jede Freigabe muss.

Im Zielsystem passen Angaben nicht zusammen, oder ein Stand ist älter als der im liefernden System. Beides wird als Datenqualitätsproblem des Zielsystems verhandelt, und die Klärung beginnt entsprechend dort. Sie beginnt damit am Ende der Strecke, während die beiden Festlegungen, die den Fall entscheiden, an ihrem Anfang stehen.

Der Satz ist die falsche Einheit

Eine Prüfung scheitert an einem Satz. Dieser Satz bleibt zurück, der Rest geht hinaus, und die Lieferung ist so vollständig wie möglich. Das klingt nach dem richtigen Verhalten, und es ist die naheliegende Bauweise. Sie stammt allerdings aus einem anderen Zusammenhang: die feldweise Übernahme im Rahmenwerk trägt dort, wo eine Gegenseite mit Rolle antwortet und einem Wert widerspricht. Auf einer fachlichen Strecke fehlt genau dieser Widerspruch.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Eine Lieferbeziehung besteht aus einem Kopf und seinen Detailzeilen. Der Kopf beschreibt die Beziehung, die Detailzeilen tragen die Merkmale, mit denen das Zielsystem rechnet. Kommt der Kopf ohne seine Detailzeilen an, entsteht dort ein Objekt, das gedeutet und verarbeitet wird, obwohl es unvollständig ist.

Zwischen fehlend und halb liegt deshalb der ganze Unterschied. Ein fehlender Sachverhalt fällt auf, weil das Zielsystem ihn nicht hat und niemand ihn dort findet. Ein halber fällt nicht auf, weil das Zielsystem ihn hat und ein Ergebnis daraus erzeugt.

Sichtbar wird die Folge nicht in der Ausleitung. Sie wird in Bilanzierung und Abrechnung sichtbar, und dort ordnet sie niemand mehr der Lieferung zu, aus der sie stammt.

Die Fehlerbehandlung braucht deshalb eine Einheit, die größer ist als der Satz. Welche das ist, ist eine fachliche Festlegung und keine technische.

Die Konsistenzeinheit definieren

Diese Einheit ist ein fachlicher Schlüssel über alles, was nur gemeinsam Sinn ergibt. Er benennt, welche Sätze zu einem Sachverhalt gehören, und macht diese Zugehörigkeit im Lauf abfragbar, statt sie dem Urteil dessen zu überlassen, der die Selektion schreibt.

Der Schlüssel wirkt an drei Stellen zugleich. Gemeinsam geprüft heißt, dass eine Prüfung immer die Einheit meint und nicht den einzelnen Satz. Gemeinsam bereitgestellt heißt, dass die Einheit den Ausgang zusammen erreicht. Gemeinsam verworfen heißt, dass ein fehlerhafter Teil den Rest mitnimmt.

Der Verwurf ist damit ein Ablauf und kein Nebeneffekt. Eine Prüfung scheitert, die gesamte Einheit wird aus der Bereitstellung entfernt, der Grund wird protokolliert, und die Menge der entfernten Sätze wird festgehalten. Ohne die letzte Angabe ist die Lieferung hinterher nicht abstimmbar, weil gelesen und geliefert kein geschlossenes Bild mehr ergeben.

Fachlich ist diese Festlegung deshalb, weil nur der Fachbereich weiß, welche Sätze allein nichts bedeuten. Die Selektion kann dieses Wissen nachbilden, sie kann es nicht ersetzen.

Eine verworfene Einheit ist damit ein Sachverhalt mit einem Adressaten und kein Protokolleintrag. Die Frage, wer einen verworfenen Sachverhalt bearbeitet, wird an anderer Stelle entschieden, aber sie wird erst dadurch stellbar.

Warum die Einheit je Strecke unterschiedlich groß ist

Dieselbe Regel schneidet je Strecke eine andere Größe aus.

Auf der Strecke für lastganggemessene Zählpunkte bilden Markt- und Messlokationen Komplexe mit mehrfachen Beziehungen. Die Einheit umfasst dort ein ganzes Cluster: eine Marktlokation, ihre Messlokationen und die Geräte- und Vertragsdaten, die an ihnen hängen. Wird eine einzelne Messlokation zurückgehalten, ist der Komplex im Zielsystem nicht mehr deutbar, obwohl alles Übrige angekommen ist.

Auf der Strecke für Standardlastprofile je Bilanzierungsbeleg liegt eine Eins-zu-eins-Beziehung vor, und die Einheit ist entsprechend klein. Die Regel ist dieselbe, das Ergebnis ist ein Paar statt eines Clusters.

Auch die Paketbildung für die Parallelverarbeitung darf die Einheit nicht durchschneiden. Im ersten Fall bindet das die Paketgrenzen an die Cluster, im zweiten bleibt die Paketbildung frei.

Verschieden ist damit nicht die Regel, sondern nur die Größe, die sie ausschneidet. Wer die Körnung von der Verarbeitung her wählt, bekommt eine Einheit, die technisch bequem ist und fachlich nichts bedeutet; welche Struktur eine fachliche Aussage trägt, ist eine Frage der Datenarchitektur und keine der Ablaufsteuerung.

Zwei nebeneinanderstehende Blöcke. Links eine Marktlokation mit mehreren Messlokationen samt Geräte- und Vertragsdaten, alle von einem Rahmen als Einheit der Gültigkeit umschlossen. Rechts derselbe Rahmen um eine Marktlokation und eine Messlokation. Unter beiden Blöcken steht die gemeinsame Regel: gemeinsam geprüft, gemeinsam bereitgestellt, gemeinsam verworfen.
Links ein Komplex, rechts ein Paar. Die Regel ist beide Male dieselbe, verschieden ist nur die Einheit, die sie ausschneidet.

Was die Einheit für die Lieferung bedeutet

Erkannt wird eine Änderung, geliefert werden muss der Sachverhalt.

Die Erkennung findet je Verfahren an unterschiedlicher Stelle statt, am Ereignis, am Zustand oder an der replizierten Zeile. Keine dieser Stellen sagt für sich, wie weit der Sachverhalt reicht, zu dem die erkannte Änderung gehört.

Genau das leistet die Einheit der Gültigkeit. Sie sagt, was zur erkannten Änderung hinzugehört. Ohne sie liefert die Strecke das geänderte Objekt und lässt den Rest des Sachverhalts stehen.

Diese Regel wirkt in den drei Verfahren verschieden weit. Nur im zustandsbasierten Verfahren fallen Erkennungseinheit und Lieferungseinheit zusammen, weil dort der fachliche Inhalt der ganzen Einheit verglichen wird und ein Unterschied darin immer die ganze Einheit betrifft. Ereignisbasiert wird die Einheit erst nach der Erkennung aufgespannt, weil das Ereignis ein einzelnes Objekt meldet und die Strecke von dort aus ermitteln muss, was fachlich dazugehört. Replikationsbasiert kennt das Verfahren die Einheit gar nicht, weil es geänderte Zeilen beobachtet und über deren fachlichen Zusammenhang nichts weiß.

Wer das Erkennungsverfahren wählt, hat damit die Einheit noch nicht gewählt. Und wer die Einheit setzt, hat sich damit auf kein Verfahren festgelegt.

Drei Verfahren der Änderungserkennung

Hier geht es um die zweite Achse, also darum, was in eine Lieferung kommt; wann geliefert wird, ist die Auslöserfrage, und sie steht im ersten Teil dieser Serie.

Der Entwurf einer fachlichen Ausleitung in einem S/4HANA-Utilities-Greenfield bei einem Verteilnetzbetreiber hat die drei Verfahren gegeneinandergestellt.

Das ereignisbasierte Verfahren erfasst die Änderung im Moment ihres Entstehens. Es kennt den Grund und den Zeitpunkt und arbeitet feldgenau. Vorausgesetzt ist, dass jede Änderung durch die überwachten Pfade läuft.

Das zustandsbasierte Verfahren verdichtet den fachlichen Inhalt der Einheit zu einem Fingerabdruck und vergleicht ihn gegen den letzten. Wie die Änderung entstanden ist, spielt dabei keine Rolle. Das Verfahren trägt deshalb auch durch Massenläufe und Migrationen und greift in keinen schreibenden Prozess ein.

Das replikationsbasierte Verfahren beobachtet die abgelegte Zeile. Change Data Capture, log- oder triggerbasierte Replikation und Replikationsflüsse erkennen geänderte Zeilen zuverlässig, kennen aber weder eine fachliche Einheit noch eine Bedeutung. Eine Änderung an einem Verwaltungsfeld ist für die Replikation eine Änderung und fachlich keine.

Daraus folgt, wofür die Verfahren taugen, und zwar ohne Rangfolge. Replikation kann Änderungen technisch zuverlässig bereitstellen und trägt damit Analytik und Datenhaltung. Als alleinige Grundlage einer fachlich vollständigen Lieferung reicht sie nicht aus, weil ihr Konsistenzeinheit und fachliche Semantik fehlen.

Alle drei beantworten dieselbe Frage an verschiedenen Punkten der Strecke, und der Punkt entscheidet, was sichtbar wird.

Drei übereinanderliegende Spuren für das ereignisbasierte, das zustandsbasierte und das replikationsbasierte Verfahren. Jede Spur zeigt dieselben drei Stationen, den schreibenden Vorgang, die abgelegte Zeile und den fachlichen Inhalt der Einheit; hervorgehoben ist in jeder Spur eine andere Station. Rechts steht je Spur, was dieses Verfahren nicht sieht.
Drei Spuren, drei Erkennungspunkte. Wo ein Verfahren erkennt, entscheidet darüber, was es nicht sehen kann.

Die blinden Flecken, offen benannt

Keines der drei Verfahren sieht alles, und der blinde Fleck des zustandsbasierten steht hier zuerst. Nicht, weil es das schwächste wäre, sondern weil er sich nicht als Fehler zeigt, sondern als ausbleibende Lieferung.

Der Fingerabdruck deckt genau die Felder ab, die in ihn eingehen. Eine Änderung außerhalb dieser Menge führt zu keiner Lieferung, und sie erzeugt auch keine Meldung. Die Feldfolge muss stabil bleiben, sonst gilt beim nächsten Lauf alles als geändert. Ein Übersprung bedeutet, dass das Zielsystem auf dem Stand des letzten liefernden Laufs bleibt. Und wird der Vergleichsbestand geleert, ist alles neu.

Das ereignisbasierte Verfahren hat eine Stelle. Änderungen, die an den überwachten Pfaden vorbeilaufen, werden nicht gesehen, und das Verfahren meldet dabei nichts, was auf eine Lücke hinweist.

Das replikationsbasierte hat eine Stelle mit zwei Richtungen. Fachlich unerhebliche Änderungen erzeugen Bewegung, und fachlich erhebliche Ableitungen bleiben unsichtbar, weil sie in keiner geänderten Zeile stehen.

Der erste dieser blinden Flecken wird prüfbar, sobald der Eingang des Fingerabdrucks eine Liste ist.

Geht ein Bleibt draußen
die fachlichen Merkmale des Sachverhalts technische Verwaltungsfelder
die Zuordnungen zwischen den Objekten der Einheit Zeitstempel und Benutzer der letzten Änderung
Zeiträume und Wirksamkeiten Kennzeichen, die nur die Verarbeitung betreffen

Vollabzug, Mengenanker und Reihenfolge mehrstufiger Läufe stehen je Lieferstrecke in der Prüfliste zum Betrieb der Strecke. Frei zugänglich, ohne Formular.

Keines der drei Verfahren ist damit ohne blinden Fleck. Die Wahl besteht nicht zwischen Sehen und Nichtsehen, sondern darin, welchen blinden Fleck eine Strecke tragen kann.

Der Aufwand aus einer unklaren Änderungserkennung entsteht nicht im Lauf, sondern in der Suche danach. Das Zielsystem zeigt einen Stand, den der Fachbereich für falsch hält; gesucht wird zuerst im Zielsystem, dann in der Übertragung, dann in der Selektion, und erst zuletzt bei der Frage, ob die Änderungserkennung diese Änderung überhaupt sehen konnte. Jede Station bindet eigene Leute: Anwendungsbetreuung, Entwicklung, den Fachbereich und im Zweifel den Betreiber des Zielsystems, der eine Fehlermeldung beantworten soll, die keine ist. Steht am Ende die Feststellung, dass der Lauf korrekt war und das geänderte Feld außerhalb der Vergleichsmenge lag, ist der gesamte Aufwand in der Suche entstanden und nicht in der Behebung. Zu beheben war nicht der Lauf, sondern die Festlegung der Vergleichsmenge. Und die Suche wiederholt sich beim nächsten Vorfall, solange nicht dokumentiert ist, worauf der Stand im Zielsystem beruht und welche Felder ihn auslösen. Zählen Sie an Ihrem letzten Vorfall dieser Art die Stationen der Suche, die je Station beteiligten Rollen und die Arbeitstage zwischen der ersten Meldung und der Feststellung. Auf welchem Lauf beruht der aktuelle Stand in Ihrem Zielsystem?

Die Feldmenge, die in den Vergleich eingeht, gehört deshalb versioniert dokumentiert, mit Datum und verantwortlicher Stelle, damit eine spätere Änderung an ihr selbst als Änderung erkennbar bleibt. Wer sie nur im Quelltext führt, kann einen strittigen Stand im Zielsystem beschreiben, aber nicht begründen.

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Danach liegt je Lieferstrecke schriftlich fest, was zusammen geliefert wird, woran eine Änderung erkannt wird und welche Felder dabei außen bleiben.

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